Sonntag, 14. Oktober 2012

Typical weekend in Buea

Lass uns Wellenreiten gehen...
Freitag
-aufstehen, fertig machen, zum Waisenhaus fahren, mit dem Pastor die nächsten nötige Schritte besprechen, Höhe mit anderer Methode ("Schlauchwaage") vermessen, von Ameisen sich beißen lassen, sich wie in der Sauna fühlen, per Taxi zurück in die Stadt fahren-der Magen knurrt
-für 2€ einen 30cm gegrillten Fisch mit fried plantains (gebratene Kochbanane) mit scharfer Soße und  eine Top-Ananas (Limonade) vertilgen, zurück zum Haus-ausruhen
-mit Anja (GIZ-Mitarbeiterin/Nachbarin), Robin und Andrea (andere Freiwillige/Mitbewohner) zum Club "Jupiter" fahren, kamerunische Kumpels treffen (Peter-mein "Mbombo" also Namensvetter und Thompy- Eco Guide), kamerunisches Bier und Livemusik genießen, Plan für morgigen Tag schmieden-schlafen

Samstag
-aufstehen, fertig machen, von Mbombo versetzt werden (war noch zu lange feiern), sich mit Thompy verabreden, nach Limbe per public transport (zu 7. im privaten Kleinwagen für 1,5€ für 30km) - der Magen knurrt
-in Limbe auf Laura aus Douala warten, zum Zeitüberbrücken Thompy's Familie besuchen, Ausblick über Limbe und die Bucht von der heimischen Terrasse genießen, zu typischen kamerunischen Essen (Reis, Fisch, sehr scharf) eingeladen werden
-Botanischen Garten erkunden, Gorillas und co im Wild-Life-Center beobachten, halbe Stunde zum Strand fahren, Wellenreiten am Seme Beach, Limo schlürfen und Leute beobachten
- Rückfahrt im Geländewagen über nächtliche Huckelpiste, Film schauen - schlafen

Sonntag
-von Sturm/Dauerregen frühs um 4 Uhr erwachen, weiterschlafen, vom Sonnenschein um 9 Uhr wachgekitzelt werden, Mount Cameroon mit Laufschuhen und verschwitzendem Lächeln entgegentrotzen
-Stoffhaushalt mit Nudeln und Ananas wieder auffüllen
-von meinem Mbombo zum Kochen eingeladen werden, Reis mit Bohnen und Fleisch/Fisch-natürlich sehr scharf-verköstigen, Kamerun gegen Kap Verde anschauen (die "Lions" sind leider aus der Africa-Cup-Qualifikation ausgeschieden), englische Cartoons schauen, Blog schreiben - schlafen


Terassenblick über Limbe

Botanischer Garten 1
Botanischer Garten 2

Herbstgefühle in Kamerun


Wild Life Center 1

Wild Life Center 2
Wild Life Center 3
Blick zum kleinen Mt. Cameroon
Beware of the waves!


Seme Beach
On the road again...

Dienstag, 9. Oktober 2012

Cameroonian Solar Bottle Bulb


Heute hieß es mal wieder Arbeitseinsatz auf der Baustelle! 

Die Gemäuer der neuen Werkstatt von Joseph sind fertig, doch irgendwie wurde da kein Loch für Fenster gelassen. Warum? Ja das frag ich mich auch. Eine komplett dunkle Werkstatt-keine gute Voraussetzung zum Arbeiten!  Es dämmerte in meinem Kopf-ein Video, bei Youtube, da wurden ähnliche Bauten (keine Fenster, keine sichere Stromversorgung, Wellblechdach)  durch eine pfiffige Idee mit Licht versorgt, ganz ohne Strom. Naja seht einfach selbst:



Und wenn dies auf den Philippinen klappt, dann warum auch nicht in Kamerun!
So beschafften wir die nötigen Materialien und Werkzeuge: Plastikflaschen (einfache Wasserflaschen, welche sich hier im Haus grad sowieso stapeln), Wellblechdach (war noch zu Genüge vorhanden),  Werkzeuge wie Hammer, Nägel, Blechschere, Meisel, Zange (bekamen wir alles von Joseph), Silikon, Bleichmittel, Sandpapier (musste für 4€ gekauft werden) und Panzertape (hatte ich aus Deutschland mitgebracht). 

Schritt 1: 30x30cm Wellblechdach ausschneiden, ein etwas kleineres Loch als die Flasche ausstanzen, den Rand einschneiden und einzeln nach oben klappen
Schritt 2: Wasserflasche mit Sandpapier anrauen, mit Wasser und Bleiche befüllen, in das Loch stecken und mit Silikon abdichten
Schritt 3: auf das Dach klettern, wiedermal ein Loch ausstanzen, alles zusammenfügen und mit Silikon und Panzertape abdichten, fertig!

Das Ganze hat zwar seine 6h gebraucht, natürlich mit Pause und zwischenzeitlichen Omelette mit Spaghetti , aber am Ende des Tages wurde die Werkstatt durch 5 solare-Flaschen-Lampen erleuchtet!
Schritt 1
Schritt 1

Schritt 2
Schritt 3
Schritt 3

Fertig!
Eine der fünf solaren Flaschenlampen




Pico Hydro Turbine - Part One


In Kamerun ticken die Uhren anders, dass muss man sich als deutscher Ingenieur, so werde ich hier stets vorgestellt, immer wieder vor Augen halten. 

Wie würde man wohl in Deutschland vorgehen, wenn man eine Wasserkraftanlage plant?!?
1. Standortwahl und Potentialanalyse: Durchführung von Messungen, mit modernsten Mitteln, zur nutzbaren Höhendifferenz und Durchflussmenge des Flusses, letztere sollte mindestens über ein Jahr gehen und weitere Datenerhebung zu Fischwanderungen und co, um das Potential der zukünftigen Anlage abschätzen zu können
2. Kraftwerksauslegung: angepasst an die genau gemessenen Werte (Höhe und niedrigste Jahresdurchflussmenge) werden die Größe von Zuleitung, Oberwassersbecken, Art und Größe von Rohrleitungen, Turbine, Generator, Netzanschluss und so weiter geplant und berechnet
3. Bau, Installation, Inbetriebnahme: eine Firma wird mit Bau, Installation und Inbetriebnahme der Wasserkraftanlage beauftragt und bei jedem Prozess kontrolliert

Um den deutsch-kamerunischen Wissenstransfer zu ermöglichen versuche ich natürliche jene Planungsgrundlagen anzuwenden, doch die Uhren ticken anders: "Anpassung und Improvisation" heißt der kamerunisch-deutsche Wissenstransfer! So sieht also die Planung einer Wasserkraftanlage in Kamerun aus: 
1. Standortwahl und Potentialanalyse: Messungen mit modernsten Mitteln-Fehlanzeige. Vor Beginn der Regenzeit wurde mittels eines Thomson-Messwehres die Durchflussmenge gemessen, ganze 7 Tage, weil das Messwehr dann kaputt ging, aber mir wurde gesagt der Fluss/Bach trocknet nie aus und wenn zu wenig Wasser da ist dann leiten wir einfach einen anderen Nachbarbach um. Für die Höhenmessung war ich dann zuständig. Man benötige ein langes Seil, ein Winkelmesser, eine Wasserwaage, ein Zollstock, zwei Stangen, zwei Helfer, zwei Macheten und Kenntnisse zum rechtwinkligen Dreieck, Gegenkathete = Hypothenus*sin(α) sag ich da nur. Mit einer Toleranz von 10% ergibt sich so eine nutzbare Höhe von 15-20m. Zur Potentialberechnung sollte das erstmal reichen. Und Fische habe ich keine gesehn!
2. Kraftwerksauslegung: genau gemessene Werte-Fehlanzeige! Oberwasserbecken-vorhanden! Rohrauslegung-wird das genommen was zur Verfügung steht, was keine große Auswahl zulässt. Turbine-wird an die Begebenheiten angepasst! Generator (2kW)-mal schauen ob's einen in Douala zu kaufen gibt, sonst selber einen bauen! Netzanschluss und Batteriesystem-nocht nicht geklärt.
3. Bau, Installation, Inbetriebnahme: Die Europäer haben die Uhr, doch die Afrikaner die Zeit. Also das dauert noch ein wenig.
In der Mitte entspringt ein Fluss

Standortbegehung mit dem Pastor (Leiter des Waisenhauses)

Höhenvermessung 1

Höhenvermessung 2

Doch ohne eine funktionierende Werkstatt keine funktionierende Turbine. Die Werkstatt ist bald wieder betriebsbereit, was mich aber auch Zeit, Nerven und Kraft gekostet hat. Die nächsten Schritte sind geplant, es geht also langsam allmählich vorwärts!

Freitag, 5. Oktober 2012

World Teachers' Day


Heute war der internationale Lehrertag - wusstet ihr das? Ja wenn das nicht mal ein Grund ist um die Straße zu sperren, sich auf eine Tribüne zu setzen, sich mehr oder weniger spannende Reden von und für Lehrer anzuhören, eine Blaskapelle spielen und die Lehrer „aufmarschieren“ zu lassen – in Buea schon!
Tribüne

Blaskapelle

So schauten Robin und ich das rege Treiben aus einiger Entfernung an. Natürlich fällt man dann schon etwas auf unter den ganzen Kamerunern. Zunächst wurden wir von einem kleinen Kind bestaunt. Dann kam ein gut gekleideter Mann, mit Anzug, Trenchcoat, Hut, Sonnenschirm, direkt auf uns zu geschritten. Er stellte sich als Patrick vor und meinte er ist Journalist. Daraufhin fragte er uns aus was wir hier machen, warum wir hier sind, wie uns Kamerun gefällt, wo wir her kommen – als er hörte das wir aus Deutschland sind präsentierte er uns sogleich ein paar deutsche Standardsätze und erfreute sich, dass er noch etwas Deutsch kann. Dann packte er seine kleine Digicam aus und meinte er möchte ein Video von uns drehen und hielt uns sofort die Kamera vor die Nase und legte los. Wenn ich irgendwie an das Video rankomme dann werde ich sofort hier einen Link reinstellen ;) Wir tauschten dann noch Mailadressen und Facebookkontakte aus und er zog von dannen um weiter vom Teacher' Day zu berichten. Wir verweilten dann noch ein wenig, doch die Mittagssonne zeigte uns Bleichgesichtern unsere Grenzen und wir fuhren zum Haus zurück, um uns vorm totalen verbrennen zu schützen.
Ich, der Journalist und Robin

Mittwoch, 3. Oktober 2012

Cameroonian breakfast for advanced

10 Tage bin ich nun schon in Buea unterwegs, meistens im selben Viertel (rund um die Werkstatt), da denkt man doch man kennt dort schon vieles und große Überraschungen werden wohl kaum noch kommen-doch heute wurde ich mal wieder eines Besseren belehrt:

Der Tag begann ein bisschen früher als sonst - 7 Uhr wurde ich von Joseph abgeholt. Auf dem Tagesprogramm stand: Robin (weiterer Freiwilliger von Green Step, macht was mit nachhaltiger Landwirtschaft) 11.30 Uhr in Douala abholen, zuvor ein paar gebrauchte Autobatterien testen und sonstige kleine Erledigungen...so viel zum Plan...natürlich kam alles ein wenig anders.
Es ging direkt frühs zum Landlord, welcher auf seinem Hof noch einige Steinblöcke hatte. So wurde der Pickup mit 50 jener Steine beladen und diese wurde sogleich zur Baustelle gebracht - ein gutes good-morning-workout! So presste sich der Schweiß aus den Poren, die Beine wurden ein wenig schlaff und wir stellten Joseph fest -  so ganz ohne Frühstück geht das aber nicht! 

Bisher bestand mein Frühstück meist aus einem Schluck Wasser, einem Müsliriegel oder einer Banane. Doch Joseph zeigte mir wie man in Kamerun frühs so richtig zu Kräften kommt:

Wir gingen also eine Seitenstraße herunter, wo die kleinen Marktstände mit Bananen, Plantains, Tomaten, getrocknetem Fisch, die Tante Emmaläden und Geschäfte langsam ihr Pforten öffneten . Wir bogen rechts ab und gingen ein paar Meter zwischen den Ständen entlang - eine Mauer, ein Eingang, ich erahne hinter weißgrauen Gardinen einen Raum. Ein noch nicht identifizierter Geruch kommt mir entgegen. Wir treten ein. Ein schmaler dunkler Raum offenbart sich meinen Sinnen. Ich entdecke an der Wand weiße Letter, mit Kreide geschrieben. Ahhh...dies ist also die Speisekarte! Am Ende des 2m x 5m Raumes befindet sich eine kleine Kochnische. Joseph bestellte. Ich ließ mich überraschen. Nach 5 Minuten stand eine heiße Tasse Ovomaltine, ein Teller Weißbrot und ein Teller mit Omlette, welches mit Spaghetti, Tomaten, Zwiebeln und wahlweise Mayonnaise angereichert wurde, auf dem Tisch. Energie pur! 

Kamerunisches Frühstücksrestaurant
Speisekarte
Apropose Cameroonian breakfast...letzten Samstag besuchte ich, zusammen mit Jobi, Basti und Lisa (Freunde aus Ulm) in Douala. Dort gab es dann auch ein typisches kamerunisches Frühstück: bestehend aus fritierten Krapfen, roten Bohnen in Soße, Fleisch (hier war es vermutlich Ochsenschwanz) und eine Art Maisbrei zum dippen oder trinken.

Weitere kulinarische Köstlichkeiten folgen bestimmt!

ps: morgen gibts dann ein Schokocroissant :)

Dienstag, 2. Oktober 2012

PAINT - REMOVE - DEMOLISH

*Ein kleiner Nachtrag: unter folgendem Link findet ihr ein Interview mit dem Bürgermeister zur unten beschriebenen clean-up-campaign, um nochmal die offziellen und nicht nur persönlichen Meinungen zu beleuchten http://www.cameroonpostline.com/Content.aspx?ModuleID=3&ItemID=9028 *

El Presidente kommt zum Staatsbesuch und wünscht eine schöne und saubere Stadt!

Ihr müsst euch Buea als eine Stadt vorstellen, welche sich über 10km, links und rechts an der vierspurigen Hauptstraße, erstreckt. Die Straße ist gesäht voller kleiner Läden, Werkstätten, Wohnhäuser, Bars et cetera, welche zumeist aus einfachen Holzkonstruktionen bestehen, teilweise sind es auch nur einfache Container, aber natürlich auch gemauerte Häuser. An dieser Straße werden Geschäfte abgeschlossen, Kontakte gepflegt,...ja das ganze Leben Buea's tummelt sich hier (natürlich gibt es auch Seitenstraßen, welche ähnliche Begebenheiten aufweisen).

Mitte/Ende Oktober kommt der Präsident Kameruns - Paul Biya - nach Buea zum Staatsbesuch und er will sein Land im vollem Glanze erstrahlen sehen. So hat der Bürgermeister die Order gegeben die Straßen zu säubern. Dies bedeutet im Klartext, dass alles weichen muss was nicht den Vorgaben entspricht. Häuser werden makiert: "X PAINT" oder "X REMOVE" oder auch "X DEMOLISH". Den Besitzern wird eine 24h Frist gegeben, wobei diese derzeit nicht bis zur äußersten Strenge vollzogen wird. 
Tim's Bookshop: X DEMOLISH

demolished house
Zur Kategorie "X REMOVE" gehört auch die Werkstadt von Joseph, wo ich eigentlich die Turbine bauen wollte. So waren wir die letzten Tage zunächst mit folgenden Problemen beschäftig: Werkstatt abbauen-neuen Platz finden-alten Landlord fragen-Landlord hat weiteres Grundstück genau hinter der alten Werkstatt-zahlreiche Unterredungen mit dem alten Herrn und den angrenzenden Nachbarn-Beschaffung neuer Baustoffe-Steine schleppen-Holz schleppen-Werkstatt neu aufbauen. Wann die Werkstatt fertig wird? Mal sehen...that's Africa.
Werkstatt vor dem Abbau

Zwischenstand Abbau der Werkstatt
Ich stehe der Sache derzeit mit sehr gemischten Gefühlen gegenüber: Einerseits werden zur Zeit Existenzen aufs Spiel gesetzt, die Menschen müssen sich neue Bleiben suchen, teilweise fehlen dazu aber die nötigen Mittel...anderseits gehen die Kameruner mit dieser Situation sehr gelassen um, sie nehmen es hin, denn es war auch seit dem Frühjahr mehr oder weniger angekündigt, viele sehen es als neue Chance etwas Neues und Besseres aufzubauen, weil teilweise die Bauten auch arg geschädigt/renovierungsbedürftigt waren/sind. 

Der Landlord

Ein kleiner Exkurs zu Land und Leute: 

Kamerun besteht aus zahlreichen Volks- und Sprachgruppen - 286 um mal ein wenig mit Zahlen zu spielen. Rund um Buea und den Mt. Cameroon ist die Volksgruppe der Bakweri ansäßig, zu welcher auch der Landlord angehört (http://en.wikipedia.org/wiki/Kpwe_people) So hat jede Gruppe ihr spezifische Kleidung, welche hier vom Landlord teilweise vorgeführt wird (Hemd). Ein paar Worte noch zum Landlord, welcher von allen nur "Pa" genannt wird: er ist ein sehr alter aber netter Mann-hat mich immer mit Freude empfangen und meinte einmal: "Peter, you're a good boy, you come to see Africa!" Außerdem sagte er mir ich soll nicht so lang ungeschützt in der Sonne sein-diese sei in Afrika stärker. Hätte ich mal auf ihn gehört-so hätte ich mir den leichten Sonnenbrand gespart ;)